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FSB 2021 setzt Impulse für die Zukunft der Sportstätten

IAKS Interview

Auf der FSB 2021, der internationalen Fachmesse für Freiraum, Sport- und Bewegungseinrichtungen in Köln, sorgen Ausstellerinnen und Fachbesucher aus aller Welt für Bewegung. Hier werden Trends zur Gestaltung urbaner Lebensräume gesetzt, die den zukünftigen Anforderungen an Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Barrierefreiheit gerecht werden. Im IAKS Interview erzählt der Vorstandsvorsitzende der IAKS Deutschland, Prof. Dr. Robin Kähler, welche Bedeutung die internationale Fachmesse für Sportstättenbranche hat, warum die Messe insbesondere in der Corona-Pandemie ein so wichtiger Anlass ist und wie sie als Plattform für die Verbreitung und Entwicklung von nachhaltigen Innovationen dient. Außerdem spricht Kähler über den 1. Deutschen Sportstättentag, der in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund das Thema Sportstätten weiter oben auf der politischen Agenda positionieren soll.

Prof. Dr. Robin Kähler, Corona-Krise, Sportstättenbau

Herr Kähler, vom 26. bis 29. Oktober findet die diesjährige Fachmesse FSB in Köln statt. Auch die IAKS Deutschland ist vertreten. Was werden die großen Themen auf der FSB Messe sein?

In diesem Jahr haben wir eine Ausnahmesituation, die noch immer darin besteht, dass sich die Messebesucher*innen unter dem Eindruck der Corona-Pandemie erleben. Wir wissen noch nicht genau, ob die Erfahrungen im Sport- und Freizeitverhalten der Bürger*innen während der Pandemiezeit Auswirkungen auf das Sport- und Bewegungsverhalten der Menschen haben werden.  Da gibt es momentan noch zu wenige Erkenntnisse, ob und was sich in den nächsten Jahren tatsächlich ändern wird.  Es wird auf der FSB- Messe also vor allem darum gehen, einen Austausch zu schaffen und zu verstehen, wie die derzeitige Situation ist und welche Zukunft dem Sportstättenbereich bevorsteht.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit auf der diesjährigen FSB?

Das große Thema Nachhaltigkeit betrifft hauptsächlich die westlichen Industrienationen, die einen hohen Energieverbrauch verzeichnen und deswegen unter ganz starkem politischen Druck, ihre Emissionen zu reduzieren und einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas zu leisten, stehen. Das Thema wird die Sportinfrastruktur erheblich betreffen. Der internationale IAKS Kongress wird dieses Thema behandeln, aber auch bei den Innovationen im Sportstättenbau, die im Rahmen der Messe vorgestellt werden, dem Bäderbereich, beim Thema Recycling von Kunststoffen im Kunstrasenbereich usw. wird das Thema eine ganz wichtige Rolle einnehmen.

In Deutschland selbst gewinnt das Thema Nachhaltigkeit im Sportstättenbereich allerdings erst langsam an Bedeutung. Zwar wurden in den letzten Jahren auch Dank des DOSB und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) sehr viele Initiativen gestartet, aber bei den Vereinen und bei den Kommunen hat es noch nicht diese tragende und die Entwicklung bestimmende Bedeutung. Das sieht man daran, dass immer noch die Sportstätten saniert werden, ohne dass klare Kriterien aufgestellt werden, wie die Baumaterialien aussehen sollen, wie ein nachhaltiger Betrieb strukturiert ist, wie sich das Klima auf die Außenanlagen auswirkt, wie das Thema der Versiegelung im Sport – insbesondere bei den normierten Sportstätten – zu sehen ist. Da gibt es noch sehr viel zu tun.

Wie wichtig sind Innovationen und ihre Verbreitung und Vorstellung etwa über Messen wie die FSB?

Wir sind wirklich sehr dankbar, dass sich die FSB als Messe anbietet und als Plattform für Unternehmen weltweit fungiert, auf der Ansätze und Konzepte im Bereich guter und nachhaltiger Sportstätten präsentiert werden. Es gibt bereits wirklich gute Innovationen. Ich nehme da nicht nur den Bereich der Kunststoffe etwa für Kunstrasenplätze in den Blick, sondern auch die zahlreichen Entwicklungen im Bäderbereich: Technologien, Digitalisierungslösungen und vieles mehr. Im Bereich der Architektur, der Baumaterialien, der energetischen Sanierungsmöglichkeiten, aber auch im Bereich der Überdachung beobachten wir viele Innovationen und die FSB Messe ist der ideale Anlass, um diese zu präsentieren, sich darüber auszutauschen und Inspiration und Visionen mitzunehmen, wie die Sportstätten sich zukünftig weiterentwickeln.

Allerdings muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich insbesondere von der Bundesregierung wesentlich mehr finanzielle Unterstützung für den Innovationsstandort Deutschland in diesem Bereich erwarte, weil Deutschland als Vorreiter einen hervorragenden Ruf in der Welt hat. Diesen wirtschaftlichen Vorteil müssen wir unbedingt verteidigen. Das bedeutet, dass wir die Innovationen, die Forschungen und Entwicklungen auch im Bereich der Sportstätten massiv vorantreiben müssen. Da erwarte ich mir wirklich mehr wirtschaftliche Unterstützung seitens der Bundesregierung.

Die IAKS Deutschland nutzt die FSB Messe, um den 1. Deutschen Sportstättentag anzustoßen. Was hat es damit auf sich?

Die IAKS Deutschland hat die Initiative ergriffen, erstmalig 2021 einen 1. Deutschen Sportstättentag einzurichten. Wir als IAKS Deutschland wollen uns politisch stärker positionieren, gemeinsam mit dem DOSB, dem BISp und den kommunalen Spitzenverbänden. Wir wollen gegenüber der Politik zeigen, wie wichtig die Sportstätten und Sporträume in Deutschland sind. Damit möchten wir erreichen, dass die mediale und politische Aufmerksamkeit auf die Sportstätten erhöht wird. Bis jetzt war das eher ein Randthema, aber es wird durch den enormen Sanierungsstau und die Weiterentwicklung und Innovationen in den genannten Bereichen sehr wichtig, dieses Thema in der nächsten Legislaturperiode der Bundesregierung aber auch in den Landesregierungen in den Fokus der Politik zu bringen. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich die Sportstättenförderung stärker an den Bedarfen der Kommunen und den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Die Weiterentwicklung der Schulsportanlagen muss gemäß den Lehrplänen unterstützt werden, die Weiterentwicklung der Normen, der Förderrichtlinien der Länder und der Kommunen muss vorangetrieben werden. Es gibt auch einen Stau an Fragen und Problemen, die uns veranlassen, das Thema jetzt national aufzuhängen und auf mehr Sachkompetenz in den Regierungszentralen auf dieses Thema hinzuarbeiten.

Wir wollen damit auch erreichen, dass die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik uns als Ansprechpartner in ihren zentralen Fragestellungen zur Weiterentwicklung der Sportstätten wahrnehmen und akzeptieren. Bei der Bundesregierung soll zukünftig, so ist unser Wunsch, ein ständiger wissenschaftlicher Sachverständigenrat eingerichtet werden, der damit beauftragt wird, der Bundesregierung alle zwei Jahre einen Sachstandsbericht über den Zustand der Sportstätten und Sporträume in Deutschland vorzulegen. Es fehlt ein aktuelles, neutrales, wissenschaftlich fundiertes Wissen im Bundesinnenministerium und in anderen Ministerien, das als Grundlage für ihre politischen Entscheidungen dient. Natürlich wollen wir die Landes- und Kommunalpolitik auch darin unterstützen, sich der Sachkenntnis der Institution „Sportstättentag“ zu bedienen und aktuelles Wissen und fundierte Erkenntnisse abzurufen.

Ich danke den Verantwortlichen der FSB Messe in Köln ausgesprochen, dass uns die Gelegenheit gegeben wird, die Bedeutung dieser Messe zu nutzen, um das Thema Sportstätten deutschlandweit auf der politischen Agenda zu positionieren. 

 

Interview: Arne Weise, IAKS Deutschland

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Prof. Dr. Robin Kähler

Vorstandsvorsitzender IAKS Deutschland
Prof. Dr. Robin Kähler
Vorstandsvorsitzender IAKS Deutschland

kaehler.deutschland@iaks.sport

Prof. Dr. Robin Kähler ist der Vorstandsvorsitzende der IAKS Deutschland und Experte für Sportentwicklung und Sportstättenplanung. Seine Tätigkeiten als Hochschullehrer, Freiraumplaner, als Berater und Vermittler lassen ihn von einem überaus reichen Erfahrungsschatz rund um die Themen kommunale Sportentwicklungsplanung, Sportmanagement und Sportpolitik zehren.

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